Stimmungsschwankungen beim Mann

Stimmungsschwankungen Mann

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Bislang waren die Hormone für Frauen immer eine prima Ausrede für Stimmungsschwankungen. Entweder waren es die Wechseljahre, die „Schuld“ an Gereiztheit, Wutausbrüchen oder Traurigkeit hatten, oder eben der Zyklus, entweder die Periode, gerne auch die Tage davor oder die genau in der Mitte. Kurz gesagt – fast immer musste der weibliche Hormonhaushalt als Grund herangezogen werden, wenn es darum ging, eine Erklärung für schlechte Laune oder Trübsinn zu finden.

Dieses „Privileg“ dürfte mittlerweile der Vergangenheit angehören, denn längst ist bekannt, dass auch Männer unter Stimmungsschwankungen leiden, die ebenfalls oft ihren Auslöser in Veränderungen des Hormonspiegels haben.

Warum haben Männer Stimmungsschwankungen?

Auf die bislang nur bei Frauen beliebte und teilweise auch etwas belächelte Ausrede, „die Hormone seien ja schuld“ kann sich nun auch das starke Geschlecht berufen, denn wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass auch Männer nicht selten unter Stimmungsschwankungen leiden. Und in den meisten Fällen hat dies etwas mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron zu tun. Im Klartext: Sinkt bei einem Mann der Testosteronspiegel, sinkt auch seine Laune, und er wird reizbar, mürrisch, launisch oder sogar depressiv.

Besonders häufig treten solche Stimmungstiefs in den besten Jahren eines Mannes auf – also im Alter von 45 bis 55 Jahren. Man spricht deshalb nicht mehr nur von der Midlife Crisis, sondern immer öfter auch von den „männlichen Wechseljahren“. In diesem Alter lässt die Produktion von Testosteron deutlich und kontinuierlich nach, was bei vielen Männern mit Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Gereiztheit einhergeht. Nicht selten geraten Männer in diesem Alter sogar in eine ernsthafte Depression.

Es sind jedoch nicht nur die Männer im besten Alter, die von hormonell bedingten Stimmungsschwankungen betroffen sind, auch jüngere Männer können durchaus mal in ein Stimmungstief geraten. In diesen Fällen gibt es jedoch meist einen Anlass von außen, wie z.B. eine Trennung oder Scheidung, den Verlust des Arbeitsplatzes oder einen Trauerfall. In solchen Extremsituationen reagiert der Körper mit einer vermehrten Produktion des Stresshormons Kortisol bei gleichzeitiger Verlangsamung der Testosteronproduktion. Die Folge dieser Veränderung im Hormonhaushalt ist, dass betroffene Männer trübsinnig, launisch und gereizt werden, sich von ihrem Umfeld zurückziehen und schneller anfangen zu weinen – letzteres aber wohl eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit im stillen Kämmerlein.

Klimakterium – kommen auch Männer in die Wechseljahre?

Zwar äußern sich die hormonellen Veränderungen bei Frauen in der Lebensmitte viel deutlicher, Fakt ist jedoch, dass sich auch bei Männern im im gleichen Alter, also ab 45 bis 50 Jahren, die Hormonproduktion umstellt, was zu extremen Stimmungsschwankungen führen kann. Deshalb sprechen wir in der Tat auch bei Männern von Wechseljahren – oder wissenschaftlich ausgedrückt – vom Klimakterium virile.

Ursache dafür ist eine veränderte Produktion und Wirkung von Testosteron. Die Produktion des männlichen Sexualhormons nimmt bis zum 30. Lebensjahr stetig zu und verläuft anschließend konstant bis etwas zum 40. Lebensjahr. Dann kommt es fast immer zu einer reduzierten Produktion von Testosteron. Im Durchschnitt nimmt der Testosteronspiegel nach dem 40. Lebensjahr eines Mannes jedes Jahr um etwa ein bis zwei Prozent ab. Und dies äußert sich in folgenden Symptomen:

  • Stimmungsschwankungen, wie z.B. erhöhte Reizbarkeit
  • Innere Unruhe, Konzentrationsstörungen
  • Nachlassen der Tatkraft, Müdigkeit und Mattigkeit
  • Schlafstörungen oder vermehrtes Schlafbedürfnis
  • Vermehrte Schweißproduktion
  • Nachlassen des sexuellen Verlangens und Erektionsstörungen
  • Nachlassen der körperlichen Kräfte
  • Gewichtszunahme

Hiervon betroffen sind vor allem Männer im Alter zwischen 50 und 60 Jahren. Eigentlich stehen sie gerade auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft und haben sowohl beruflich als auch privat alles erreicht. Die nun auftretenden „Wechseljahres-Erscheinungen“ machen vielen stark zu schaffen, sorgen für psychische Anspannung und oft für erheblichen Leidensdruck.

Die nachlassende Leistungsfähigkeit führt nicht selten zu Problemen im Job, und im privaten Bereich ist die Sexualität vielfach zur Routine geworden bzw. führt durch die nachlassende Manneskraft zu Frustrationen. Ehe- oder Beziehungskrisen sind häufig die Folge.

Wann ist es eine Depression?

Ganz klar unterschieden werden muss zwischen gelegentlichen Stimmungsschwankungen und einer Depression. Letztere ist eine Krankheit und gehört in die Hände eines Therapeuten.

Männer, die an einer Depression leiden, zeigen meist andere Symptome als Frauen. Während Frauen traurig und niedergeschlagen sind, zeigen depressive Männer eher Erscheinungen wie Aggressivität, Gereiztheit und Feindseligkeit. Auch die üblichen Anzeichen einer Depression wie Antriebslosigkeit oder Traurigkeit sind bei Männern vorhanden, werden aber oft von den aggressiveren Symptomen überlagert.

Die US-Komikerin Elayne Boosler hat es einmal sehr treffend formuliert: „Wenn Frauen depressiv sind, futtern sie oder gehen shoppen. Männer dagegen überfallen andere Länder.“ Das trifft es ziemlich gut, und berühmte Feldherren wie Napoleon Bonaparte scheinen Frau Boosler Recht zu geben.

Weitere Anzeichen einer Depression bei einem Mann können eine allgemeine Unzufriedenheit, erhöhte Risikobereitschaft und Aggressivität, eine niedrigere Stresstoleranz sowie antisoziales Verhalten sein.

Viel mehr als Frauen neigen Männer dazu, eine psychische Erkrankung wie z.B. eine Depression zu verdrängen. Die Symptome werden auf Stress im Job oder familiäre Probleme geschoben, und häufiger als Frauen flüchten sich Männer in Alkohol oder Drogen. Der Gang zum Psychologen erfolgt erst dann, wenn körperliche Beschwerden wie Schlafprobleme, starke Erschöpfung bis hin zum „Burnout-Gefühl“ keine andere Wahl mehr lassen.

Wie kommt „Mann“ am besten durch die Wechseljahre?

Wenn Sie die folgenden Tipps beachten, können Ihnen die „kritischen“ Jahre mitsamt Hormon-Blues und Stimmungsschwankungen kaum etwas anhaben:

Tipp 1: Akzeptieren Sie die Veränderungen, die das Älterwerden mit sich bringt

Alles im Leben hat seine Zeit und in der jetzigen Zeit ist es nun einmal ganz natürlich, dass Körper und Seele sich verändern. Gönnen Sie sich mehr Ruhephasen, versuchen Sie nicht, mit Zwanzigjährigen mitzuhalten. Setzen Sie sich keinem Erfolgsdruck aus. Unterstützen Sie Körper und Geist mehr als in jungen Jahren durch eine gesunde Lebensweise. Achten Sie auf regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf.

Tipp 2: Reden Sie mit einem guten Freund

Es kann sehr hilfreich und eine große Erleichterung sein, sich einem Freund anzuvertrauen, der sich vielleicht gerade in der gleichen Lebenssituation befindet und die Sorgen nicht nur versteht, sondern auch teilt. Für viele Männer ist die Erkenntnis, nicht allein mit ihrem Problem zu sein, schon eine große Hilfe.

Tipp 3: Pflegen Sie Ihre Beziehung

Reden Sie nicht nur mit einem Freund, sondern auch mit Ihrer Partnerin. Sie soll sich bei Ihren Problemen nicht „außen vor“ fühlen. Machen Sie gemeinsam Pläne für den neuen Lebensabschnitt. Und entdecken Sie die Sexualität neu! Ganz ohne Erwartungsdruck. Blockieren Sie Ihre Lust nicht aus Angst vor dem Versagen.

Tipp 4: Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen

Männer tun sich mit Arztbesuchen einfach schwerer als Frauen. Deshalb – wenn Sie Hilfe brauchen, nehmen Sie sie an! Konsultieren Sie einen Urologen, wenn es mit der Standfestigkeit nicht mehr so klappt oder holen Sie sich psychotherapeutische Hilfe, wenn Sie unter starken Stimmungsschwankungen oder gar Ängsten oder Depressionen leiden.

Tipp 5: Sehen Sie die Vorteile

Ziehen Sie Bilanz – was haben Sie bisher erreicht? Sicher sind Sie erfolgreich im Beruf und wirtschaftlich abgesichert, während die Kinder mittlerweile auf eigenen Beinen stehen. Das eröffnet Ihnen ganz neue Möglichkeiten – nämlich Hobbies zu pflegen, zu reisen, kurz – sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen.

Schlusswort

Nicht nur Frauen haben mit Wechseljahresbeschwerden und damit verbundenen Stimmungsschwankungen zu kämpfen – längst weiß man, dass es Männer ebenso „trifft“. Treten diese doch ebenfalls in einer Lebensphase des Umbruchs auf, die bei vielen Männern mit nachlassender Energie und daraus resultierenden Selbstzweifeln einhergehen. Betrachten Sie diese Zeit nicht als Ende, sondern als Neuanfang! Mit den Tipps in diesem Artikel wird Ihnen dies ganz sicher gelingen!

Worum geht es hier?

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